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Info über Serbien

Allgemeines
Serbien (serbisch Србија / Srbija) ist ein Binnenstaat in Südosteuropa. Die offizielle Bezeichnung lautet Republik Serbien (Република Србија / Republika Srbija). Die Hauptstadt ist Belgrad.
Serbien liegt im Zentrum der Balkanhalbinsel und grenzt im Norden an Ungarn, im Osten an Rumänien und Bulgarien, im Süden an Mazedonien und (über das völkerrechtlich umstrittene Kosovo) an Albanien, im Südwesten an Montenegro und im Westen an Bosnien und Herzegowina und Kroatien.
Serbiens jüngere Geschichte ist geprägt durch seine Rolle als größter Teilstaat Jugoslawiens. Es ist nach dem endgültigen Zerfall Jugoslawiens auch alleiniger Rechtsnachfolger der 1992 gegründeten Bundesrepublik Jugoslawien.
Geographie
Lage, Relief und geographische Gliederung
Serbien erstreckt sich über vier Breitengrade am Rande der Subtropen zwischen 46°11' N (bei Subotica in der nordserbischen Provinz Vojvodina) und 41°52' N (bei Gemeinde Gora) in der südserbischen Provinz Kosovo). Von Ost nach West bilden die Stara Planina bei Dimitrovgrad (23°01' E) sowie die Donau bei Bezdan (18°51' E) die Grenzpunkte. Niedrigster Punkt ist der Austritt der Donau bei Prahovo in Ostserbien mit 17 Metern über dem Meeresspiegel. Der höchste Punkt liegt mit 2.656 Metern Höhe im Prokletije. Das Gebiet Serbiens setzt sich aus zwei Landschaftstypen zusammen, die durch die Save-Donau-Linie geteilt werden. Nördlich der Save- und Donau-Ebene liegt die Vojvodina, ein Tiefland in der Pannonischen Tiefebene, wo nur das sanfte Rumpfgebirge der Fruška Gora und die Karpatenausläufer der Vrsačke gore im Relief etwas hervortreten. Die ehemaligen Waldsteppen der Donauniederung sind durch die hydrologische Verknotung der wichtigsten Ströme Ostmitteleuropas gekennzeichnet und durch ehemals weite Auenlandschaften sowie die äolischen Flugsande (bekannt ist die Deliblatska pesčara als „europäische Sahara“) und fruchtbare Schwarzerdeböden sowie Lösse gekennzeichnet. Südlich von Save und Donau ist das Land im engeren Serbien und dem Kosovo überwiegend gebirgig, stellt sich aber durch das Nebeneinander von Gebirgen, Hochebenen, Beckenlandschaften und Flussebenen als topographisch vielfältiges und abwechslungsreiches Gebiet dar. Mit dem von Süd nach Nord praktisch zentral verlaufenden Flusssystem der Morava, die in der tektonischen Leitlinie der Morava-Furche die Gebirgszüge der Dinariden, Karpaten und Balkangebirge in eine westliche und östliche Gruppe trennt, und den als Schluchten ausgebildeten Nebenflüssen der Westlichen und Südlichen Morava, Ibar, sowie der Drina, dem Grenzfluss zu Bosnien, wird das zentrale Serbien vielfältig gegliedert. In den Becken der Metohija und des Amselfeldes und den flankierenden Hochgebirgszügen wie der höchsten Erhebung Serbiens, der Đeravica, findet sich sowohl durch die Entwässerung zum Mittelmeer (das Amselfeld entwässert durch die Bifurkation der Sitnica sowohl zum Schwarzen Meer als auch zum Mittelmeer) und dem Wechselspiel von Beckenlandschaften und Hochgebirgshorsten der Übergang zum pelargonischen („mazedonischen“) Landschaftstyp, ein.
Gewässer
Hydrographisch befindet sich Serbien zum größten Teil im Einzugsbereich der Donau, die in ihrem Mittellauf das Land auf einer Strecke von 588 km durchquert. Die wichtigsten Donaunebenflüsse sind hier die die Save (in die wiederum die Drina mündet), die Morava, die Theiß und der Timok. Lediglich der äußerste Südwesten des Landes wird durch den Weißen Drin zum Adria, der äußerste Südosten über die Pčinja, welcher in den Vardar mündet, zur Ägäis hin entwässert. Größere stehende Gewässer finden sich heute zumeist als Altarme an Donau und Save, größte natürlicher See ist der Belo jezero in der Vojvodina mit ca. 25 km². Unter den künstlichen Stauseen nimmt der Đerdapsee (Đerdapsko jezero) oberhalb des Eisernen Tores mit 163 km² auf serbischer Seite (gesamt: 253 km²) die größte Fläche ein. Bekannte Stauseen sind der Vlasinasee auf einer ehemaligen Hochmoorfläche im süd-ostserbischen Bergland, der Perućacsee an der Drina sowie der Stausee im Uvac-Canyon. Mit 71 Metern ist der Jelovarnik im Kopaonik der höchste Wasserfall des Landes. Die größte und längste, aber nicht tiefste Schlucht Serbiens und in Europa ist das Eiserne Tor.
Klima
Das in der warmgemäßigten Klimazone liegende Serbien wird durch gemäßigtes Kontinentalklima geprägt. Die Niederschläge nehmen von Nordost nach Südwest ab, während auch insbesondere die Niederschlagsmaxima sich in gleicher Richtung von Frühsommer auf Herbst/Winter verlagern. Damit stellt sich ein Grundzug des Klimas Serbiens ein, der durch die Lage zu den relativ warmen Meeren (Adria, Ägäis und Schwarzes Meer) und der Gebirgsnatur bestimmt wird. Das Niederschlagsregime mit mediterranen Winterregen verliert sich mit der Küstenentfernung, ist aber noch im westserbischen Bergland und im Kosovo zu verzeichnen. Erst in der kontinentaler liegenden Vojvodina stellt sich der typische Niederschlagsverlauf Ostmitteleuropas mit einem frühsommerlichen Niederschlagsmaximum, der mit dem Sonnenhöchststand zusammen fällt, ein. Aufgrund der Kammerung des Relief treten vielfältige mikro- und makroklimatische Modifikationen auf, die durch ventilatorische Bedingungen und das Relief modifiziert werden. Gebirgsklimate finden sich in den höheren Gebirgen im Süden, Westen und Osten Landes. Die Winter in Serbien sind allgemein kalt und schneereich, die Sommer sind warm. Der kälteste Monat ist der Januar, der wärmste ist der Juli. Die tiefste bisher gemessene Temperatur in Serbien lag bei −38,0 °C (26. Januar 1954 in Sjenica), die höchste bei 45,8 °C (16. August 2006 in Paraćin). Die Jahresdurchschnittstemperatur in Serbien liegt bei 10 °C. Die durchschnittliche Niederschlagsmenge bei 896 mm. Die Windsysteme werden durch die jahreszeitlichen Druckgradienten bestimmt. Herrschen im Winter trocken-kalte Nordwinde, die durch das Sibirische Hoch bedingt werden, vor (Košava, Severac, Moravac), so bringen Adria-Tiefs in den Übergangsjahreszeiten durch feuchtadiabatische Föhneffekte beim Aufsteigen der Luftmassen von der Adria über die Dinariden warm-feuchten Winde aus Südwest (Jugozapadni vetar), auf die in Westserbien und der Saveniederung eine kurzzeitige Temperaturerhöhung folgt. Auf den Sommer-Etesien beruht der warme Južni vetar (Südwind) der auf der Vorderseite eines Balkanhochs von Süden über die Morava-Vardar-Furche nach Serbien einströmt, während er auf der Rückseite des Hochs den kühleren Meltimi in der Ägäis bedingt.
Bevölkerung
Ethnische Gruppen
Die Zusammensetzung der Bevölkerung ist in den verschiedenen Landesteilen sehr unterschiedlich. In Zentralserbien leben zum allergrößten Teil Serben, daneben auch Rumänen (Walachen) im Osten und Nordosten; Bulgaren im Südosten und Nordosten; sowie verstreut Roma. Im Sandschak von Novi Pazar lebt auch eine größere Minderheit von Bosniaken, im Preševo-Tal im südlichsten Zipfel des Engeren Serbien eine albanische Minderheit. Die Vojvodina (Banat, Batschka und Syrmien) ist schon seit Jahrhunderten durch ein buntes Völkergemisch geprägt - vor allem aus Serben (65,05 %), Ungarn (14,28 %), Slowaken (2,79 %), Kroaten (2,78 %), Rumänen (1,50 %), Roma (1,43 %) und früher auch etwa 510.000 Deutschen, die nach dem Zweiten Weltkrieg mit der Begründung des Landesverrates vertrieben wurden. In die Vojvodina und das nördliche Engere Serbien kamen in den letzten Jahren etwa 490.000 (Binnen-)Flüchtlinge aus den Kriegsgebieten in Kroatien, Bosnien und Herzegowina und dem Kosovo (etwa 180.000 aus Kroatien, 90.000 aus Bosnien und Herzegowina, 220.000 aus dem Kosovo). Im Kosovo leben heute mehrheitlich Albaner (88 %). Die größte Minderheit bilden die Serben (7 %). Kleinere Minderheiten Serbiens bilden die Goranen und Türken in den südlichen Landesteilen. Laut der Volkszählung vom April 2002, die im von der UNMIK verwalteten Kosovo nicht stattfand, bezeichnen sich 82,86 % der Einwohner als Serben. Die bedeutendsten kleineren Gruppen sind Ungarn (3,91 %), Bosniaken (1,82 %), Roma (1,44 %) sowie Jugoslawen (1,08 %). In Zentralserbien bezeichnen sich 89,48 % der Bewohner als Serben, wobei die Bosniaken mit 2,48 % die zahlenmäßig zweitgrößte Gruppe darstellen.
Sprachen
Die Hauptamtssprache in Serbien ist Serbisch. Serbisch beziehungsweise Serbokroatisch wird fast überall im Land verstanden und gesprochen. In der nordserbischen Provinz Vojvodina sind neben Serbisch auch Ungarisch, Kroatisch, Russinisch, Slowakisch und Rumänisch als Amtssprachen anerkannt. Im Kosovo und Teilen Südserbiens wird Albanisch gesprochen. Nach der im November 2006 in Kraft getretenen Verfassung wird die serbische Sprache in Serbien offiziell in kyrillischer Schrift geschrieben, wobei im Alltag und in den Medien auch die lateinische Form vielfältig zur Anwendung kommt.
Religion
Die überwiegende Mehrheit der Einwohner Serbiens sind Christen, davon bekennt sich mit etwa 6,3 Millionen (etwa 84%) die Mehrheit zur serbisch-orthodoxen Kirche, zudem gibt es noch Katholiken, Protestanten und einige wenige neuapostolische Christen. In Serbien sind auch Muslime (3 %) zu finden. Im südserbischen Sandschak von Novi Pazar bilden Muslime eine knappe Mehrheit, im Kosovo liegt der Prozentsatz bei 90 %.
Städte und Urbanisierung
Die Städte Serbiens entwickelten sich kulturhistorisch aus orientalisch oder westeuropäisch geprägten Orten, die im engeren Serbien großteils erst nach dem Zweiten Weltkrieg einer stärkeren Modernisierung unterlagen. Dabei behielten jedoch die Orte im serbischen Teil des Sandschak und Kosovo (mit Ausnahme Prištinas) zum Teil ihren orientalischen Charakter. Die Urbanisierung nahm insbesondere nach dem Zweiten Weltkrieg schnell zu, was durch Landflucht der sogenannten Dinarischen Bauern sowie Kosovo-Serben und von Serben aus ärmeren Regionen des ehemaligen Jugoslawien sowie anderer Ethnien und der Migration von Kriegsflüchtlingen während mehrerer Wellen während der Jugoslawienkriege von 1991, 1995 und 1999 zu einem schnellen Bevölkerungsanstieg in den größeren Städten führte. Unter den Großstädten nehmen die Verwaltungszentren des Staates, die Metropole Serbiens Belgrad, sowie der Regierungssitz der autonomen Provinz Vojvodina, Novi Sad, in funktionaler sowie administrativer Hinsicht eine zentrale Rolle ein. Hier konzentrieren sich daher auch Medien- und Dienstleistungsunternehmen sowie die Kulturinstitutionen des Landes. Aufgrund ihrer vergleichsweise entwickelten Infrastruktur haben sie auch die regional höchste Bedeutung für Verkehr und Handel und zeigen die dynamischste Wirtschaftsentwicklung. Durch die zentrale Lage von Novi Sad und Belgrad auf der Entwicklungsachse im Korridor X werden sie auch im prioritären Investitionsprojekt des Landes besonders bevorzugt. Neben diesen primären Zentren kommt Niš, Belgrad nachfolgend, eine ergänzende zentrale Rolle im südlichen Serbien zu. Daneben ist die in der Region Šumadija gelegene „Autostadt“ Kragujevac durch eine zwar nicht vollständig ausgeprägte, jedoch überregionale Funktion ausgezeichnet. Den weiteren serbischen Großstädten kommen in funktionaler Hinsicht sekundäre Rollen zu. Unter den Großstädten entwickelte sich Pančevo seit den 1970er Jahren zunehmend zu einer Satellitenstadt von Belgrad und wächst in die Metropolregion der demographisch auch weiterhin durch rasches Bevölkerungswachstum geprägten Hauptstadt hinein.
Kultur
Allgemeines
Bereits in der Frühzeit war das Gebiet des heutigen Serbien besiedelt. Hierbei spielte insbesondere die Vinča-Kultur, die eines der ältesten bekannten Schriftsysteme hervorbrachte, eine wichtige Rolle. Am archäologischen Fundort Lepenski Vir an der Donau wird die bislang älteste bekannte sesshafte Population von Ackerbauern und Viehzüchtern in Europa vermutet. In der Vergangenheit war Serbien häufig Grenzland wichtiger Imperien. So verlief einst die Grenze zwischen Westrom und Ostrom an der Drina entlang durch serbische Gebiete. An Save, Donau und entlang der Via militaris lagen mehrere bedeutende Römische Legionslager (Singidunum), Großstädte (Sirmium, Viminacium) und Kaiserresidenzen (Sirmium, Naissus, Mediana, Felix Romuliana) der Spätantike. In byzantinischer Zeit gründete Justinian I. hier eine Bischhofsstadt (Justiniana Prima), die letzte bedeutende antike Stadtgündung und zugleich erste rein christliche urbane Stiftung der Balkanhalbinsel. An der Donau verlief seit der zweiten Wiener Türkenbelagerung ebenfalls die Grenze zwischen dem Osmanischen Reich und Österreich-Ungarn. Dies hat seine Spuren hinterlassen. Der Norden Serbiens ist mitteleuropäischer als der Süden des Landes geprägt. Den größten Einfluss auf die serbische Kultur hatte das Byzantinische Reich über die Vermittlung des Christentums, die Einführung des byzantinischen Ritus, der kyrillische Schrift und die Prägung von Hofzeremoniell, Literatur, Malerei und Architektur. Daher bekennen sich die Serben bis heute zum größten Teil zur orthodoxen Kirche. Einen besonderen Stellenwert in der serbischen Kultur haben daher auch die vielen Klöster Serbiens, von denen ein großer Teil bereits als Stiftungen der Herrscherdynastien im Mittelalter erbaut wurden. Berühmt sind die zahlreichen Fresken in serbischen Klöstern und Kirchen, von denen beispielsweise der antikisierende „Weiße Engel“ im Kloster Mileševa, sowie die großformatigen, mit ausgesprochen nuancierter Farbgebung ausgeführten Fresken in Sopočani, die zu den bedeutendsten Malereien des Hochmittelalters gehören. Ein Jahrhundert vor ähnlich bedeutenden Werken im italienischen Trecento entstanden, weisen sie durch ihren humanistischen Geist und Realismus weit in die Renaissance vorweg (Palaiologische Renaissance). Die osmanische Eroberung Serbiens 1459 bildete die zentrale Zäsur im Kulturschaffen des Landes. Das Zentrum der serbischen Kultur verlagerte sich in den Süden des Königreichs Ungarn nach Syrmien und die Hänge der Fruška Gora. Als Nachblüte der großen mittelalterlichen serbischen Architektur entstanden die Klöster der Fruška Gora seit dem 15. Jahrhundert und waren neben dem Athos-Kloster Hilandar wichtigste Bewahrer serbischer Tradition und Kultur. Mit den serbischen Epischen Gesängen bildete sich seit dem 15. Jahrhundert eine eigenständige serbische Volksdichtung, die, oral tradiert und durch die Gusla begleitet, Erinnerung an die Amselfeldschlacht sowie die Haiduken wachhielt. Die Serbischen Aufstände zu Beginn des 19. Jahrhunderts brachten Serbien schrittweise seine Eigenständigkeit zurück. Damit fasste die europäische Moderne sukzessive über Wien (Dositej Obradović, Vuk Karadžić) in Serbien Fuß.
Literatur
Die Anfänge der serbischen Literatur hängen auf engste mit der byzantinischen theologischen Literatur und der byzantinischen Zivilisation zusammen. Dabei bildete die Neuplatonische Schule die bestimmende Dominante für das philosophische Grundgerüst der christlichen Orthodoxie. Die Bildung wurde durch die Vermittlung religiöser Inhalte geprägt, in der Heiligenlegenden, Geschichte, Mythologie sowie Grammatik und Philosophie Bestandteile waren. Klöster fungierten als Zentren des Literaturschaffens, insbesondere Visoki Dečani, Manasija sowie Hilandar. Ältestes in kyrillischer Schrift und auf kirchsenslawisch verfasstes Buch war das Miroslav-Evangelium. Neben den Annalen (letopisi) und den Genealogien (rodoslovi) bildete sich seit dem 14. Jahrhundert eine sekuläre serbische Stilrichtung der Historiographie in den Herrscherbiograpien aus, die Hagiographie, Chroniken und Vita vereinte. Bedeutende serbische Herrscherbiographien entstanden unter anderen durch Erzbischof Danilo II., Danilo III. und Grigorij Camblak. Die serbische Lyrik trat erstmals durch Jefimija in Erscheinung. Als Literat betätigte sich selbst der Despot Stefan Lazarević, einer der eminentesten Erscheinungen unter den slawischen Orthodoxen im 15. Jahrhundert, von dem unter anderen der Text der Marmor-Säule auf dem Amselfeld stammte. Die Evangelien wurden insbesondere zur Zeit der Morava-Schule mit humanistischen Miniaturen ausgestattet, wie im serbischen Psalter und Radoslav-Evangelium. Am Hofe Stefan Lazarevićs entstand auch das bei weitem bedeutendste Werk seines Genres in der mittelalterlichen slawischen Literatur Südosteuropas, die Vita Stefan Lazarevićs (Житија деспота Стефана Лазаревића) des bulgarischen Emigranten und Neuplatonikers Konstantin Kostenezki, die in fast moderner Form die Biographie des Despoten umfasst. Auf Konstantin Kostenezki, dem herausragenden Schriftsteller der drei aktiven serbischen Schreibschulen (Belgrad, Manasija und Hilandar) in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts ging zudem eine Redigierung der kirchenslawischen Schrift serbischer Redaktion (Resava Schreibschule, rezavski pravopis dt. Resava Rechtschreibung), die auf den grammatischen Regeln des byzantinischen Philologen Manuel Moschopulos basierte, sowie unter anderen die Übersetzung von Werken des Universalgelehrten Michael Psellos ins Serbische, zurück. In der Tradierung klassischer Werke stellte die Weitervermittlung der, für die damalige Epoche revolutionären Erkenntnisse der antiken Naturwissenschaft, wie beispielsweise das Wissen über die Idee der Kugelform der Erde in der Psellos-Übersetzung Konstantins im Kapitel O zemli supsanii o klubnom videni obraza jeje (dt. Beschreibung der sphärischen Form der Erde), eine wesentliche Leistung der paläologischen Renaissance für die Wiedergeburt antiken Wissens in Europa dar. Im Spätwerk der Resava-Schule unter vollendeter osmanischer Herrschaft fand sich in der Synthese der slawo-byzantinischen Literatur unter Demetrios Kantakuzenos (Wladislaw-Grammatik) und neben anderen annonymen Autoren im letzten serbischen mittelalterlichen literarischen Zentrum Novo Brdo, noch Ende des 15. Jahrhunderts die letzte Anknüpfung an die byzantinische Literaturtradition (u. a. Abschriften von Pindars Olympischer Oden sowie Prometheus und Sieben gegen Theben von Aischylos). Mit dem Niedergang der serbischen Eigenstaatlichkeit erlag diese gebildete literarische Tradition der osmanischen Eroberung. Im serbischen Volk wirkte eine eigenständige Dichtung, die serbische epische Dichtung weiter. Seit Mitte des 15. Jahrhunderts und bis ins 19. Jahrhundert entstanden oral tradierte Heldenepen, die durch Vermittlung der serbischen Volkslieder durch Vuk Karadžić und Förderung von Jacob Grimm, Johann Gottfried Herder und Johann Wolfgang von Goethe weit über die Balkanhalbinsel bekannt wurden.
Musik
In Serbien gibt es eine lange Folklore-Tradition, die besonders im Balkan Brass deutliche Einflüsse der jahrhundertelangen Zugehörigkeit zum Osmanischen Reich zeigt. Diese Einflüsse sind auch im Turbo Folk hörbar, der in Serbien und anderen Gebieten des ehemaligen Jugoslawien die Populärmusik mitbestimmt. In traditionalistischer serbischer Musik findet v. a. das Akkordeon Verwendung. Für die traditionelle Musik werden hauptsächlich Nationalinstrumente wie z. B. die Gusle verwendet. Das „Kolo“ (Reigen) ist ein Gruppentanz, der von Region zu Region unterschiedlich aufgeführt wird. Das bekannteste serbische Kolo ist das „Užičko kolo“ (Užicer Kolo). Außerdem besteht in Serbien eine reichhaltige „Independent“-Musikszene, die an die Jugendszenen im ehemaligen Jugoslawien anknüpfen kann, die zur Zeit des Miliošević-Regimes zurückgedrängt worden waren. Darunter befinden sich Electronica-Acts wie Darkwood Dub oder Indierock-Combos wie die Partibrejkers. Die größten jährlich stattfindenden Musikfestivals in Serbien sind das Trompeten-Festival „Dragačevski sabor trubača“ in Guča und das Pop-Festival Exit in Novi Sad. 2007 belegte Serbien den 1. Platz beim Eurovision Song Contest mit dem Lied Molitva von Marija Šerifović. Erfolgreich war Serbien und Montenegro auch im Jahr 2004 durch das Erreichen des zweiten Platzes in diesem Wettbewerb mit dem Lied Lane Moje von Željko Joksimović. Bekannte serbische Sänger sind Đorđe Balašević, Lepa Brena, Neda Ukraden, Željko Joksimović, Mile Kitić, Aca Lukas und Ceca.
Architektur
Die Architektur in Serbien ist genauso vielfältig wie die Geschichte des Landes. Bedeutend ist die byzantinische Baukunst, vor allem in den zahlreichen serbischen Klöstern, von denen einige in die Weltkulturerbeliste der UNESCO aufgenommen wurden. Als wichtigste Mäzenen der Architektur traten insbesondere die Mitglieder der Nemanjiden Herrscherdynastie auf. Seit der Errichtung der Grabeskirche des dynastischen Gründers Stefan Nemanja im Kloster Studenica wirkten alle weiteren serbischen Könige als Förderer der Künste und insbesondere der religiösen Architektur. Einen Gipfelpunkt erreichte dieses Mänzenatentum wurde unter Stefan Uroš II. Milutin. Nicht nur entwickelte sich unter Milution der Serbisch-byzantinische Stil im Hauptwerk im Kloster Gračanica zu einer ausgewogenen Synthese des Zentralbaus einer byzantinischen Kreuzkuppelkirche und vertikaler Akzentuierung und Dynamik, wie sie bis dato in der byzantinischen Kunst unbekannt war, sondern auch eine räumlich ausgreifende Bautätigkeit, in der der serbische mittelalterliche Staat die künstlerische Vorreiterschaft im byzantinischen Kulturkreis übernahm. In rascher Folge wurden neue Klosterkirchen (Staro Nagoričane, Banjska, Königskirche Kloster Studenica, Katholikon des Klosters Hilandar sowie die Stadtkathedralen Bogorodica Ljeviška, Exonarthex Sv. Sofija in Ohrid u. a.) errichtet, die mit entsprechenden Malprogrammen aufwendig ausgestattet wurden. Die bedeutendsten Bauprogramme waren insbesondere den Grabeskirchen der Herrscher vorbehalten wie das größte spätmittelalterliche religiöse Gebäude Serbiens, das Kloster Visoki Dečani oder das Kaisergrab Stefan Dušans, das Erzengelkloster. Mit der höfischen Kunst der Lazarevići etablierte sich ein durch die aufwendige Fassadengestalltung auffälliger neuer Stil innerhalb dieser Stilrichtung, die Morava-Schule, die als Epilog der serbischen Architektur im Kloster Kalenić zur Vollendung reifte. Neben religiösen Bauwerken ragen zahlreiche Wehrbauten heraus, die mit den Festungen Golubac und Smederevo, der Stadtmauer von Kotor und der Festung von Belgrad zu den herausragenden Wehrbauten der Zeit zählen. Weitere vorherrschende Baustile in Serbien sind der Barock im Norden des Landes und der orientalische Baustil in Südserbien (Sandschak und Kosovo). Vor allem in der Hauptstadt Belgrad finden sich auch zahlreiche Bauten der Zwischenkriegszeit im Stile der Moderne, insbesondere des Art Deco. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Novi Beograd mit seinen Blockbauten nach städtebaulicher Ideologie Le Corbusiers gebaut. Nebst den sozialistischen Monumentalbauten im Stil der Moderne war für Prestigebauten auch ein Stil einer Konstruktionsarchitektur, welcher mit enormen Spannweiten die Kühnheit statischer Bautechnik aufzeigte, bemerkenswert. Die aktuelle Architektur entspricht der westlichen mit anonymen Glasfassaden, welche keine Eigenständigkeit aufzeigt.
Küche
Die serbische Küche wird zur so genannten Balkanküche gezählt. Das markanteste Merkmal dieser zum großen Teil ländlich geprägten Küche ist die große Auswahl von Grill- und anderen Fleischgerichten. Beeinflusst wurde die serbische Küche auch von der österreichischen, ungarischen, italienischen, griechischen und türkischen Küche. Gerichte wie die Serbische Bohnensuppe (serb. Pasulj Čorba) bzw. Bohnen (Pasulj), Sarma (gefüllte Krautrouladen), das serbische Reisfleisch (serbisch: Đuveč), das Spanferkel (serb. Pečeno Prase) oder Ćevapčići sind zwar im ganzen Balkan in vielen Varianten anzutreffen, vor allem im deutschsprachigen Raum sind sie jedoch als Teil der serbischen Kochkultur bekannt. Die Kochgewohnheiten der serbischen Küche variieren regional, und je mehr man nach Osten geht, um so deutlicher ist der orientalische Einfluss zu spüren; kommt man in den Westen, der italienische. In den zentraleren Regionen wie Šumadija sind Wildgerichte eine kulinarische Spezialität. In der Nähe von Flüssen, Seen und an der montenegrinisch-serbischen Grenze überwiegen die Meeres- und Fischspezialitäten. Die Bauern in der Vojvodina sind wahre Meister in der Herstellung der berühmten pikanten Wurst Kulen. Es gibt diverse serbische Biere und Weine. Besonders groß ist die Vielfalt jedoch bei Schnäpsen und anderen hochprozentigen Getränken.
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